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An der Fassade des gepflegten Sandsteingebäudes an der Thunstrasse 22 in Bern weisen eine Reihe von Schildern auf komplementärmedizinische Spezialitäten hin. Darunter befindet sich auch dasjenige von Janine Breetz, welche im dritten Stock eine Praxis für Chinesische Medizin (TCM) führt. Ihr Spezialgebiet ist die Akupressur. Im Laufe der Zeit hat sie ihr Angebot mit sozialtherapeutischen Verfahren erweitert. Complemed unterhielt sich mit Janine Breetz über ihre Erfahrungen als Naturheiltherapeutin und die Hintergründe für die Integration der Sozialtherapie in ihre Praxis.

 

Ihre Praxis heisst „ChiVeda“ Was steckt hinter diesem Begriff?


Das Chi – auf deutsch: die Lebenskraft oder Lebensenergie – ist ein zentrales Element der chinesischen Medizin und Philosophie. Veda ist der indische Ausdruck für Wissen. Mit unseren Therapien beschreiten wir einen neuen „Weg in die Kraft“.

Ausbleibende Kraft und damit fehlende Lebensenergie bringt das innere Gleichgewicht des Menschen aus den Fugen. So wird der Mensch krank. Bei der Behandlung geht es also primär darum, dieses Gleichgewicht wieder ins Lot zu bringen, indem man über die Energiebahnen in unserem Körper, über die so genannten Meridiane, auf gestörte Organe einwirkt. Das innere Gleichgewicht kann über gewisse Punkte auf der Haut harmonisiert werden.

 

Wie stellen Sie eine Erkrankung oder ein Leiden fest?


Wir kennen verschiedene Diagnosemethoden. So etwa die Zungen- und Pulsdiagnose. Aber auch die gezielte Befragung der Patienten ist ein wichtiges Instrument, um die Ursachen einer Krankheit oder eines Leidens ausfindig zu machen und zu verstehen.

 

Weshalb haben Sie diesen Beruf gewählt?


Ich persönlich bin sehr kreativ veranlagt. Die TCM setzt kreatives Arbeiten voraus, da nicht immer nach ein und demselben Grundmuster therapiert wird. So steckt jeder Tag vor neuen Herausforderungen, da die zu behandelnde Person sowie der Moment entscheidend sind. Sie wissen ja: Wir behandeln den Patienten sehr individuell und kategorisieren diesen nicht vorbehaltlos nach einem vorgegebenem Schema oder Symptom.

 

Kommen wir zu ihrem Spezialgebiet, der Akupressur. Worin unterscheidet sich diese von der allgemein bekannten Akupunktur?


Das Prinzip ist dasselbe wie bei der Akupunktur oder auch bei andern Methoden der TCM: Man wirkt über gewisse Punkte, um über einen der zwölf Meridiane auf ein bestimmtes Organ einzuwirken. Die klassische TCM kennt 365 Punkte. Heute sind über 2000 Punkte bekannt. Im Unterschied zur Akupunktur wirkt man allerdings nicht mit einer Nadel, sondern mit Fingerdruck auf die Punkte ein. In gewissen Fällen setze ich zusätzliche Hilfsmittel ein zur Verstärkung des Drucks oder zum Anwärmen der Akupunkturpunkte (mit Moxazigarren, siehe Bild) ein.

 

Wie schätzen Sie den Erfolg Ihrer Therapien ein?


Ich wage zu behaupten, dass 90 Prozent meiner Therapien beim Patienten eine positive Wirkung zeigen. Natürlich ist mir bewusst, dass auch hier der so genannte Placebo Effekt eine Rolle spielt. Das soll auch so sein: Denn der Glaube und der Wille lösen Selbstheilungskräfte aus. Ich versuche diese auch ganz bewusst zu steuern, indem ich dem Patienten, da wo es angebracht ist, gezielt Mut zuspreche.

 

Weshalb haben Sie sozialtherapeutische Kurse in Ihre Praxisdienstleistung integriert?


Ich habe im Laufe meiner praktischen Arbeit als Therapeutin festgestellt, dass viele Krankheiten mit der Psyche und auch dem sozialen Umfeld zusammenhängen. So bemerkt man zum Beispiel, dass ein Todesfall innerhalb der Familie, eine Lungenentzündung begünstigen kann. Denn Trauer ist in der TCM mit dem Organ Lunge gekoppelt. Auch Lebenskrisen können die Gesundheit nachhaltig beeinflussen. In meinen Kursen geht es darum, dass man sich durch die Begegnung in der Gruppe selber kennenlernt und neue Aspekte ins Leben integrieren kann, um schliesslich neue Lebenskraft und Motivation zu gewinnen. Ein neues Kursangebot – ich nenne es „Zauberladen“ – richtet sich zum Beispiel darauf aus, die eigenen innersten Wünsche zu finden, diese in der Gruppe zu verbalisieren und damit Visionen zu entwickeln, die das Leben im positiven Sinne verändern und erleichtern können. Auch dies ist eine Methode, die uns auf den Weg in die Kraft, dem Chi, führen, womit wir wieder beim Eingangsthema unseres Gesprächs wären.

 

Wenn Sie ihre berufliche Laufbahn noch einmal bestimmen könnten: Was würden Sie anders machen?


Eigentlich nichts. Ich habe zwei Jahre Grundlagenmedizin studiert und liess mich während sechs Jahren berufsbegleitend in Disziplinen der TCM ausbilden. Meine eigene Praxis führe ich seit 13 Jahren, - und ich bin ganz glücklich damit. Besonders Freude habe ich an meinem neuen Projekt, Chiveda ,“dem Weg in die Kraft“ mit dem ich ein wunderbares, ganzheitliches Konzept verwirklichen kann, die Integration von Körper, Psyche und sozialem Umfeld.

 

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